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Die Wechseljahre - leider immernoch ein Tabuthema

Die Wechseljahre - leider immernoch ein Tabuthema

Dr. Sheila de Liz ist Gynäkologin und Buchautorin. Mit ihrer medizinischen Beratung und aktuellen Medienpräsenz trägt sie dazu bei zum Thema Wechseljahre aufzuklären und mit veralteten Mythen aufzuräumen.

Die Wechseljahre – leider immer noch ein Tabuthema. Dabei betreffen sie jede dritte Frau in Deutschland. Gynäkologin Dr. Sheila de Liz hat mit ihrem Bestseller „Woman on Fire“ etwas geschafft, was schon längst hätte passieren sollen: Die Wechseljahre als wunderbare Lebensphase zu definieren.  Erfahren Sie in diesem Interview, was wunderbare Wechseljahre ausmacht und was sie tun können, um sich in Ihrer Haut wohlzufühlen und selbstbewusst durch die Menopause zu gehen.

1. #bodypositivity, #diversity, #metoo – nie war die Freiheit über vermeintliche Tabus öffentlich zu sprechen und zu diskutieren größer. Trotzdem sind Wechseljahre und Menopause immer noch stigmatisiert, und ein typisches Tabu-Thema. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und wie lässt sich das ändern?

Dr. Sheila de Liz:
Das sind noch die letzten Ausläufer einer Gesellschaft, in der der Wert einer Frau darüber definiert wurde, ob sie standesgemäß verheiratet war und Kinder gebären konnte. Eine Horrorvorstellung war das Bild der geschiedenen und ausrangierten Frau, bei der die biologische Uhr längst aufgehört hatte zu ticken; die Frau, die von nun an für die Gesellschaft unsichtbar wurde. Diese Mythen hielten sich hartnäckig bis in die Neunziger – und führten dazu, dass unsere Mütter und Großmütter mit niemandem über die Wechseljahre sprachen, nicht miteinander und auch nicht mit uns, weil das einem persönlichem Versagen gleichgekommen wäre. Alles, was über dieses Thema zu uns durchsickerte, war deprimierend oder traurig. Frauen in den Wechseljahren schienen verdammt zu einem Leben mit schlechter Laune und Hitzewallungen.

Diese schädliche Haltung war damals schon falsch. Heutzutage hat sie jedoch längst ihre Existenzberechtigung verloren, weil die Grundlage eine völlig andere ist: Wir sind jetzt schon biologisch und psychisch deutlich jünger als unsere Mütter in unserem Alter waren, und unsere Lebenserwartung ist deutlich besser. Auch gesellschaftlich hat sich einiges getan: Viele Frauen sind beruflich besser gefestigt, und eine Scheidung mit Mitte Vierzig bedeutet längst keine soziale Ausgrenzung mehr. Die Bewegungen #metoo, # bodypositivity etc. wurden von jungen Frauen ins Leben gerufen, die nicht länger bereit sind, altertümliche und von außen aufgezwungene Meinungen über ihre Rechte und den Wert ihres Körpers hinzunehmen.

Wir sollten also ruhig einen Schritt zurücktreten und unser Leben kurz von außen betrachten. Dann werden wir feststellen, dass wir erst eine Hälfte unseres Lebens rum haben – und dass die zweite Halbzeit mit dem richtigen Wissen über die Wechseljahre und die passende Pflege keinesfalls nur halbwegs erträglich, sondern richtig klasse werden kann! Die letzten 20 Jahre waren viele von uns vor allem für andere da. Nun sind wir und unsere Wünsche dran.

2. Woran erkennt man, dass man in die Wechseljahre kommt bzw. schon drin ist?

Dr. Sheila de Liz: Die Wechseljahre sind so individuell wie wir Frauen selbst. Meine Wechseljahre sind nicht deine oder die deiner Mutter. Wie also erkennen wir, wann diese Phase beginnt? Als erstes ist es wichtig zu wissen, dass die Wechseljahre schon schleichend losgehen, wenn wir noch regelmäßig die Periode haben – oft schon mit Anfang bis Mitte Vierzig. Erste Anzeichen können sein, dass der Schlaf schlechter wird, oder dass wir schlimme Migräne bekommen. Auch heftige PMS-Beschwerden* oder gar depressive Verstimmungen können sich bemerkbar machen.

Manche Frauen haben Hitzewallungen oder Nachtschweiß. Andere entwickeln Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Quaddeln am ganzen Körper. Da fast alle Organsysteme im Körper auf die weiblichen Hormone sensibel sind, können sie auch alle auf ihre besondere Art reagieren, wenn Hormone schwanken oder fehlen.

3. Was kann man tun, um in dieser Zeit als Frau nicht unsichtbar zu werden?

Dr. Sheila de Liz: Danke für diese Frage! Sie verdeutlicht die Ängste und deckt die Glaubenssätze auf, die man uns in den letzten Jahrzehnten regelmäßig serviert und kultiviert hat. Die meisten Frauen sind eben nicht ab Mitte Vierzig unsichtbar, sondern oft erst richtig in ihre Kraft gekommen. Sie erkennen, was im eigenen Leben funktioniert und was nicht. Sie werden sich bewusst, was gehen muss, weil es ausgedient hat. Das können Jobs sein, Freunde, Partner, Gewohnheiten. Eine Frau in ihren Wechseljahren ist für die Umgebung eher respekteinflößend, aber nicht unsichtbar! Respekteinflößend deshalb, weil sie jetzt ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellt. Denn sie hat erkannt: Nur wenn es ihr gut geht, hat sie die Kraft, anderen etwas zu geben.

4. Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, sackende Gesichtskonturen – das klingt alles andere als positiv. Worauf kann man sich in den Wechseljahren freuen?

Dr. Sheila de Liz: Da gibt es sehr viel! Nicht nur, dass es uns deutlich leichter fällt als früher, auch mal Nein zu sagen. Die Meinung anderer Menschen beeinflusst unsere Entscheidungen nicht mehr so sehr wie früher, wird sind oft selbstbewusster und – nach vielen Höhen und Tiefen – endlich bei uns selber angekommen. Auch die Akzeptanz des eigenen Körpers macht uns vieles leichter: Viele Frauen erleben im Schlafzimmer ein Hoch, eine Libido ohne Reue und ohne Scham wegen Cellulite oder hängender Brüste, ohne Verhütungssorgen, aber dafür mit viel Erfahrung mit der eigenen Sexualität. Wir haben den Wert der Selbstpflege erkannt, und nun auch die Zeit, uns verstärkt darum zu kümmern. So machen wir etwa mehr Sport oder achten bewusster auf die Ernährung.

* Prämenstruelles Syndrom (PMS) bezeichnet Beschwerden (körperlich oder emotional) im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus. Sie können vier bis vierzehn Tage vor dem Beginn der Regelblutung in jedem Monatszyklus einer Frau auftreten und enden meist mit Beginn der Regel.

5. Wirkt sich die Hormonumstellung auch auf die Haut aus? Was kann man dagegen tun?

Dr. Sheila de Liz: Östrogen hilft, die wichtigen kollagenen Fasern in der Haut aufzubauen. Diese wirken wie ein stützendes Gerüst für die Haut und die Muskeln, sie sorgen für eine pralle Haut ohne Falten. Östrogen fördert auch die Bildung von Hyaluronsäure, welche große Mengen von Feuchtigkeit in der Haut bindet. Durch das sinkende Östrogen-Level werden die kollagenen Fasern erst schwach und dann nicht mehr aufgebaut. Das führt zu Schlaffheit und Faltenbildung. Zudem wird die Haut dünner und trockener.

Es gilt also, das Kollagen zu hegen und zu pflegen, und auch den Aufbau zu fördern. Das gelingt mit Cremes, die Antioxidantien enthalten und den Feuchtigkeitsgehalt der Haut erhöhen. Außerdem können verdichtende Wirkstoffe wie Pro-Xylane helfen, gezielt die Auswirkungen der abnehmenden Hormonaktivität auszugleichen, die sich durch Falten und schlaffe Konturen widerspiegeln können. Cremes mit Lichtschutzfaktor gehören unbedingt täglich aufgetragen, ganz gleich bei welchem Wetter. Ganz sicher sollten wir außerdem auf eine gesunde Ernährung achten und Nikotin vermeiden.

6. Welche Tipps geben Sie Ihren Patientinnen darüber hinaus, um sich in den Wechseljahren so wohl wie möglich zu fühlen?

Dr. Sheila de Liz: Wir verlieren nach der allerletzten Periode innerhalb von zwei Jahren bis zu 90 Prozent unserer hormonellen Versorgung. Das ist keine Kleinigkeit, und sollte nicht ohne engmaschige medizinische Begleitung geschehen. Der Hormonmangel ist nicht, wie bisher angenommen, ein Normalzustand für den Körper, sondern der Nährboden für sehr viele Krankheiten, die uns die Möglichkeit nehmen, im Alter ausgelassen auf der Hochzeit unserer Kinder zu tanzen oder Intimitäten zu genießen. Wer kann, sollte sich daher frühzeitig nach der Möglichkeit eines Hormonersatzes erkundigen, und sich beraten lassen, ob dieser neue Ansatz für sie in Frage kommt. Die großen medizinischen Fachgesellschaften dieser Welt für Menopausenmedizin sind der Meinung, dass ein gezielter Hormonersatz deutlich mehr Vorteile als Nachteile bringt, und auf lange Sicht wesentlich gesünder ist als der Hormonmangelzustand.

Ansonsten lege ich sehr viel Wert auf Self-Care und rate meinen Patientinnen: Achte auf deine Zeit, auf erholsamen Schlaf und mit wem du deine Stunden gerne verbringst. Tue Dinge, die dir Freude machen. Verbringe Zeit in der Natur, in der Meditation, im Gebet oder einfach in der Sauna – mache das, was dich am besten erdet und dich mit deiner Quelle verbindet.

Mehr Informationen zu Dr. Sheila de Liz und ihrem neuen Buch „Woman on Fire: Alles über die fabelhaften Wechseljahre“ finden Sie hier: https://www.dr-de-liz.de/

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An jede Veränderung muss man sich zunächst gewöhnen. Daher sollten Sie angesichts der psychischen Auswirkungen der Wechseljahre gut auf sich achtgeben, eine positive Grundhaltung einnehmen und vor allem: Stress vermeiden!"

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